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Kurze Geschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern
- RA Dietrich Schümann, Ehrenpräsident -
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Für manchen ist Mecklenburg-Vorpommern noch ein weißer Fleck
auf der Landkarte. In der Folge soll versucht werden, ihm ein wenig Farbe
zu geben.
1995 feierte Mecklenburg sein 1000-jähriges Bestehen. Wir Mecklenburger
orientieren uns aber eher an Fritz Reuter, dem bekanntesten Schriftsteller
der Niederdeutschen Sprache. Er sagte in seiner Urgeschichte von Mecklenburg:
„As uns Hergott dei Welt erschaffen ded, fung hei bie Mekelborg
an.“
Damit erübrigt sich die Suche nach Urkunden über das Alter
unseres Landes.
Im Zuge der Völkerwanderung räumten die Germanen unser Gebiet.
Slawische Stämme aus Osteuropa rückten nach und besiedelten
die niederdeutsche Tiefebene.
Als die westlichen Teile unseres heutigen Vaterlandes längst christianisiert
waren, waren unsere Vorfahren noch heidnisch. Heinrich der Löwe brachte
mit dem Schwert das Christentum in unsere Region. Die slawischen Stämme
wurden unterworfen, sie ließen sich aber nicht vertreiben.
Durch Heinrich den Löwen gerufen, rückten bäuerliche Einwanderer
aus Westfalen und Flandern nach und verbanden sich mit den hier ansässigen
slawischen Bewohnern. Dies sind wir heutigen Mecklenburger.
Aus dem Gemisch der slawischen Sprache und dem Niederländischen entstand
die niederdeutsche Sprache. Sie ist kein Dialekt, sondern eine eigenständige
Sprache.
Das Wissen über den Mecklenburger ist dürftig. Jeder Versuch,
sein Wesen zu erfassen scheitert. Wortkargheit wechselt mit homerischer
Geschwätzigkeit. Er ist manchmal durchtrieben, aber redlich. Der Mecklenburger
liebt es nicht, Fremde an sein wahres Ich heranzulassen. Er will niemandem
Gelegenheit geben, zu tief in seine Seele zu blicken.
So vergleicht man uns gelegentlich in einem abfälligen Unterton
mit dem Ochsenkopf - richtiger Stierkopf - auf unserem Wappen. Eigentlich
ein Kompliment, denn er steht für Standfestigkeit und Durchsetzungsvermögen.
Mecklenburg wird oft wegen seiner Rückstängigkeit bespöttelt.
Wahr ist:
Mecklenburg war ein gutsherrschaftlich bestimmtes Land mit einer rückständigen
Ständeverfassung.
Erst 1820 wurde hier die Leibeigenschaft aufgehoben.
Typisch war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die einklassige Dorfschule.
Für deren Niveau steht der Satz eines Dorfjungen:
Man kümmt ut de Angst nich rut: In Sommer dunnert dat, un in Winter
möt man tau Schaul.
Aber:
Rostock hat die älteste Universität Nordeuropas, die 1419 gegründet
wurde.
Unser Herzoghaus führt seine Linie direkt auf den Wendenfürst
Pribislav zurück. Wir hatten damit die älteste europäische
Dynastie. Unsere Herzöge haben nie Kriege begonnen. Wohl waren wir
in Kriege verwickelt. Der Mecklenburger nennt seine „Durchlaucht“
liebevoll „Dörchleuchting“.
Eine Blüte erlebte unser Land in der Zeit der Hanse. Städte
wie Rostock, Wismar und das vorpommersche Stralsund beherrschten mit Lübeck
die Seehandelswege.
Schwere Rückschläge erlitten Mecklenburg und Vorpommern im
30-jährigen Krieg und seinen Folgen.
Mecklenburg wurde mehrfach geteilt. Dies begründet zusätzlich
die wirtschaftliche Schwächung. Im Hamburger Vergleich von 1701 wurde
Mecklenburg geteilt in die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin
und Mecklenburg-Strelitz.
Für die Bayern: Mecklenburg war von Preußen umgeben, aber nie
von Preußen einverleibt. Im Gegenteil: Mit den Waffen einer Frau hat
eine Mecklenburgerin namens Luise Preußen erobert, in dem sie seine
schönste und beliebteste Königin wurde.
Unsere Hauptstadt war immer Schwerin. Sie blieb vom Kriege unzerstört.
Schwerin ist eine provinzielle Beamtenstadt mit einem sehenswerten architektonischen
Ensemble, dem Alten Garten. Wir haben mit dem Schloß den wohl schönsten
Landtag in Deutschland. Das Staatliche Museum hat eine ausgezeichnete Samm-lung
alter Holländer. Das Schweriner Theater konnte - auch in der Zeit der
DDR - sich mit den Bühnen in Berlin und Dresden messen.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist erst im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges
entstanden. Pommern wurde durch Entscheidung der Alliierten dem polnischen
Staat zugeschlagen. Nur Vorpommern gehörte weiterhin zu Deutschland.
So entstand 1945 das Land Mecklenburg-Vorpommern.
Pommern und Vorpommern waren allerdings preußisch. Die Alliierten
wollten die Erinnerung an Preußen für immer auslöschen.
Daher wurde bereits 1947 aus der gemeinsamen Länderbezeichnung Vorpommern
gestrichen. Den Menschen in Vorpommern nahm man damit ein Stück ihrer
Identität. 1990 ist es erneut als das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern
entstanden. Beide Landesteile gleichen sich in ihrer Landschaft. Die Menschen
haben eine gleiche Mentalität. Die Vorpommern brachten in die Ehe mit
Mecklenburg zwei wunderschöne Inseln ein, Rügen und Usedom.
Hier findet man die klassische Bäderarchitektur, wie sonst nirgends
in Deutschland.
Mecklenburg-Vorpommern ist ein armes Bundesland.
Wir haben mit Sachsen-Anhalt die höchste Zahl der Arbeitslosigkeit.
Der Reiz unseres Landes besteht in seiner dünnen Besiedlung mit 78
Einwohner /km²
Wir haben herrliche, weite Sandstrände. Ebbe und Flut machen sich an
unseren Stränden kaum bemerkbar. Unsere Badestrände sind daher
durchgehend geöffnet. Das Land hat 3.840 km Alleen. Dies entspricht
einer Entfernung von St. Petersburg bis Barcelona.
Sie finden in unsrem Land gesunde Wälder und saubere Binnenseen.
Die Landschaft lädt zu Verweilen und zum Krafttanken ein.
Mecklenburg hat die höchste Zahl von Sonnenstunden. Das Licht im Norden
entwirft immer neue Bilder von unserer Landschaft. Viele Künstler verlegten
ihren Wohnsitz nach Mecklenburg-Vorpommern.
Da die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern von großen Gütern
mit adligen Besitzern beherrscht wurde, gibt es eine Vielzahl herrlicher
Schlösser, nicht so prunkvoll wie in Bayern. Aber stilvoll.
In der Zeit der DDR sind die Schlösser weitgehend verfallen. Aber viele
wurden nach 1990 restauriert. Sehenswert sind unsere gotischen Backsteinkirchen.
Wer Mecklenburg-Vorpommern kennenlernen will, muß sich abseits der
Autobahnen bewegen.
Roman Herzog sagte über unser Land - und damit sind wir wieder bei
der anfangs zitierten Urgeschichte –
„Jeder, der hierher kommt und Augen hat zu sehen, der sieht ein
Land, das Gott an einem seiner heitersten Tage geschaffen haben muss.“
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